Aktuelles

Zu Beginn des Jahres 2016 habe ich meine aktive Berufstätigkeit deutlich eingeschränkt. Der Zeitpunkt des Ruhestandes ist gekommen, es ist genug.

Neue Aufträge nehme ich nicht mehr an, die laufenden Arbeiten werden in den nächsten 1 ½ Jahren bei hoffentlich stark reduzierter Arbeitsbelastung zu Ende geführt.

Ende 2016 war ich fünfundzwanzig Jahre selbständig und konnte auf insgesamt weit über dreißig Jahre im Bereich der Altbaumodernisierung zurückblicken.

Einerseits werden mir die Kontakte zu interessanten Kollegen, Handwerksfirmen, Denkmal-, Bauaufsichtsbehörden und Auftraggebern fehlen sowie die eine oder andere Anerkennung, selbstverständlich auch das Arbeiten an historischen Bauten.

Was ich jedoch andererseits nicht vermissen werde, ist bzw. sind:

  • Auftraggeber, die Honorarminimierung auf Kosten von Planern betrieben haben im Bewußtsein, daß der Auftragnehmer sich eine schlechte Arbeitsqualität gar nicht leisten kann, weil er sonst seinen Ruf verlieren würde

  • Ein Auftraggeber, der erst auf mein Betreiben hin von der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbes gezwungen werden mußte, den standardisierten Verzicht auf die Anrechenbarkeit mitzuverarbeitender Bausubstanz aus seinen Formularverträgen zu eliminieren (was den Vorzug hatte, daß ich keine Aufträge mehr erhielt und mich nicht mehr verbiegen mußte), erfreulicherweise war danach nur ein unwesentlicher Auftragseinbruch zu verzeichnen, aber das tolle Gefühl war unbeschreiblich und hielt mindestens drei Jahre lang an

  • Die verpflichtende Beachtung einer Honorarordnung, die auf Neubauten zugeschnitten ist und in der es bei den sog. Bewertungsmerkmalen keine angemessenen Kriterien für historische Gebäude oder Details gibt, z.B. für Fachwerkhäuser, Natursteinfassaden oder Stuckdecken

  • Die in der Honorarordnung enthaltene und demzufolge von der Rechtsprechung vertretene Fiktion, daß man beim Bauen im Bestand die Kosten hinreichend genau berechnen könne als Basis für eine Honorierung; und dies bei unbekannten Einflußfaktoren, wie z.B. die Menge auszutauschenden Holzes bei verdecktem Fachwerk (evtl. bei noch genutzten Räumen) oder der Umfang der Steininstandsetzung bei verwittertem oder klüftigem Natursteinmauerwerk

  • Eine Normengläubigkeit, die meint, alles und jedes reglementieren zu müssen und damit zu falschen Lösungen bei historischen Bauten verleitet

  • Das Phänomen, daß mir von einem Anbieter von vorgefertigten LV-Positionstexten solche gegen Geld angeboten worden sind, die ich vorher ehrenamtlich und ohne Vergütung in einem Gremium selber verfaßt hatte

Dagegen steht die selbstgenommene Freiheit:
  • Die alte Rechtschreibung beizubehalten

  • Eine von Hand erstellte Zeichnung bei Baudenkmalen immer noch schöner zu finden als solche vom Plotter

  • Die dunkle Einheitskleidung von Architekten mit der von Bestattungsunternehmern zu vergleichen

  • Mit zunehmendem Alter ungeschminkt meine Meinung zu sagen, auch wichtigen Auftraggebern

  • Viele Neubauprojekte, die in Fachzeitschriften als herausragend dargestellt werden, als doof zu empfinden, wenn sie beispielsweise überdimensioniert sind oder zu großflächig verglaste Fassaden haben (Nachhaltigkeit, Abwägung ökologischer Belange?)

  • In letzter Zeit die meisten Fachzeitschriften ungelesen dem Papierkorb zu überantworten

  • Ein erst 10 Jahre altes Handy zu benutzen, mit dem ich nur telefonieren kann


Fazit:

Ich bin dankbar dafür, daß ich viele Jahre in einem Beruf arbeiten konnte, der mir auf den Leib zugeschnitten war und in den ich meine besonderen Fähigkeiten einbringen konnte.

Im nachhinein bin ich froh über menschlich und fachlich gute Lehrer, die ich in verschiedenen Ausbildungszweigen hatte.

Ich danke allen Wegbegleitern und insbesondere den Finanzförderern von Maßnahmen an "meinen" Baudenkmalen und wünsche diesen Bauten, daß sie gut gepflegt werden angesichts knapper werdender Kassen und diese Zeugnisse alter Bautradition auch in der Zukunft erhalten werden können.

Ich freue mich auf das Treffen von alten Weggefährten bei Tagungen.

Statistisch gesehen werde ich zwar früher sterben als jüngere Kollegen/-innen, aber ich glaube fest daran, daß es sich für mich lohnt, angesichts der Aussicht, was Jüngeren noch alles in Ihrem Berufsleben bevorsteht bei ständig schlechter werdenden Rahmenbedingungen.

Ich jedoch muß nicht mehr jeden Blödsinn in Beruf und Gesellschaft mitmachen, das ist doch eine wirklich gute Perspektive, oder?

Es gilt: "Der letzte macht die Tür zu".

Machen Sie es gut, Ihr Norbert Stannek